Tumore des Nierenparenchyms

Nur 2 - 3% aller bösartigen Tumore betreffen maligne Nierentumoren. Von allen Nierentumoren ist das Nierenzellkarzinom (Renal cell carcinoma, RCC) mit 90% das weitaus am häufigsten Vorkommende. Mit der Hilfe von modernen diagnostischen Mitteln werden heute immer mehr asymptomatische, kleine Tumore zufällig gefunden, wobei früher erst die Symptomatik (Hämaturie, Bauchtumor oder Flankenschmerz) den Hinweis auf einen bereits weit fortgeschrittenen, grossen Nierentumor gab. 

Risikofaktoren für das Nierenzellkarzinom sind Rauchen, Adipositas (Fettleibigkeit) und Bluthochdruck sowie ein erstgradiger Verwandter mit Nierenzellkarzinom. 
Die meisten Nierentumore (mehr als 50%) werden heute zufällig bei radiologischen Untersuchungen gefunden. Zur weiteren Abklärung eignen sich Ultraschall und ergänzend die Computertomographie des Bauchraums und der Lunge. Diese sollten vor allen Dingen Aussagen über die Art des Tumors (Nierentumor, Zyste, Nierenbeckentumor, Angiomyelolipom etc.) und die Ausbreitung machen. 
Es gibt verschiedene histologische Subtypen des Nierenzellkarzinoms: Hellzelliges (cRCC, 80-90%), papilläres (pRCC, 10-15%) und chromophobes (chRCC, 4-5%). 

Therapie 
Bei kleinen (T1) Tumoren, die nicht gestreut haben, ist der goldene Standard die Teilentfernung der Niere (Nierenteilresektion). Manchmal ist dies aufgrund diverser Faktoren (Tumorgrösse, -lage oder Allgemeinzustand des Patienten) nicht möglich. Dann erfolgt die Entfernung der ganzen Niere. Diese Operation kann laparoskopisch (Schlüssellochchirurgie) oder offen durchgeführt werden. Angestrebt wird der laparoskopische Eingriff, jedoch können Tumorgrösse, Lage, Nebenerkrankungen oder Voroperationen einen offenen Eingriff nötig machen. Der Arzt wird dies mit dem Patienten zusammen besprechen. 
Alternativverfahren, wie die Radiofrequenztherapie oder Kryoablation sind nicht für die Behandlung des kleinen (kleiner als 7cm) Tumors bei gesundem Patienten etabliert. 
Bei grossen Tumoren (grösser als T1) kann es notwendig sein, die ganze Niere und eventuell auch die Lymphknoten und Nebenniere zu entfernen. Diese Eingriffe müssen häufiger über einen Schnitt durchgeführt werden. 
Bei Metastasen (Streuung) muss ein Therapiekonzept vom Arzt mit dem Patienten für die jeweilige Situation individuell entwickelt werden. Das Nierenzellkarzinom und die Metastasen reagieren schlecht auf Strahlen- oder Chemotherapie. Neuere Fortschritte haben zu der Entwicklung von Angiogenese-Inhibitoren geführt, welche bei der Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms eingesetzt werden (z.B. Sunitinib, Bevacizumab, Sorafenib, Pazopanib). Ebenfalls steht bei den neuen Medikamenten noch die targeted Therapie (mTOR-Inhibitoren) zur Verfügung. Hierbei kann gezielt das Tumorwachstum verlangsamt werden (z.B. Temsirolimus, Everolimus). 
Nach der Operation sollten mindesten fünf Jahre lang Nachkontrollen durchgeführt werden. Das Tumorstadium ist nach wie vor der wichtigste prognostische Faktor. Solange die Tumore klein und auf das Organ begrenzt sind, kann mit einer guten Prognose mit einer 5 Jahres-Ueberlebensrate von 70 - 80% gerechnet werden.